Der Großvenediger, die "weltalte Majestät", ist Kulminationspunkt der stark vergletscherten Venedigergruppe. An der Grenze zwischen Osttirol und Salzburg ist er mit einer Höhe von 3.657 m der höchste Gipfel Salzburgs. Der Großvenediger bildet ein lohnendes Ziel für weniger geübte BergsteigerInnen, denn alle drei Normalrouten sind technisch einfach. Wir machten Anfang Juli eine dreitägige Überschreitung vom Matreier Tauernhaus über den Gipfel ins Virgental.

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Matreier Tauernhaus. Gut gelegen und für weit Angereiste ein günstier Übernachtungspunkt.

Vom Treffpunkt am Matreier Tauernhaus (1.512 m) gelangt man bequem mit dem Taxi zum Venedigerhaus (1.689 m) in Innergschlöß. Dem weiten Talboden folgend gelangt man zu einer Brücke, an der man sich entscheiden muss - über den Gletscherweg oder den alten Hüttenweg hinauf zur Alten Prager Hütte? Ersterer ist zwar etwas länger, jedoch landschaftlich reizvoller und mit einem flachen Mittelstück angenehmer zu gehen. Insgesamt ein kurzweiliger Aufstieg mit Blick zum Gletschereis des Schlatenkees sowie zu den darüber aufragenden Gipfeln.

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Im Aufstieg über den Gletscherweg. Im Hintergrund Hoher Zaun (3.451 m) und Schwarze Wand (3.506 m) mit Schlatenkees.

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Salzbodensee (2.138 m)

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Über Gletscherschliff im Mittelteil führt der Anstieg hoch zur unbewirtschafteten Alten Prager Hütte.

Die Neue Prager Hütte bildet einen idealen, weil hoch gelegenen Übernachtungspunkt für die Tour. Mit etwas Glück betrachtet man abends den Großglockner im Osten im Abendlicht. Das Hüttenteam ist freundlich und stets hilfsbereit bei Fragen zum Berg. Jeweils am Dienstag und am Donnerstag führt Wirt und Bergführer Wilfried Studer Gäste seiner Hütte zum Gipfel des Großvenedigers (EUR 95/Person).

Unseren Plan, die Tour nachts bei Mondschein zu starten wird durch unerwartete Regenschauer gekippt. Zur üblichen Frühstückszeit um 05.30 Uhr sitzen wir in der Gaststube und bereiten den Aufstieg vor. Anfangs leicht abwärts, anschließend wieder ansteigend gelangt man unterhalb des Niederen Zauns zum Anseilpunkt am Schlatenkees. Zu Beginn waren für uns die Steigeisen erforderlich um den blanken Eisrücken hinauf in den ersten Keesboden zu bewältigen. Der restliche Anstieg verlief problemlos bei wechselnden Sichtverhältnissen und zwischenzeitlichen, kurzen Regenschauern.

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Hier, im ersten Abschnitt am Schlatenkees, benötigten wir die Steigeisen.

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Selten zeigte sich die Sonne. Umso dankbarer waren wir dafür. Die Eindrücke waren trotz des bescheidenen Wetters intensiv.

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Am Gipfel des Großvenedigers (3.657 m).

Der ominöse Gipfelgrat war problemlos begehbar. Lediglich gilt es hier, andere Seilschaften zu berücksichtigen und Gegenverkehr zu vermeiden. Das Aufnehmen des Seils in Schlaufen zwischen den TeilnehmerInnen der Seilschaft macht die Sache einfacher und verkürzt die Wartezeit.

Weiterhin im Nebel erreichten wir das Rainertörl (3.421 m), einen weiten Gletscherübergang am Weg zum Defreggerhaus im Süden. Über das Innere Mullwitzkees gelangt man zum Mullwitzaderl (ca. 3.120 m), dem Übergang in gletscherfreies Gelände. Wenig später ist das Defreggerhaus (2.963 m) erreicht.

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Im Abstieg am Rainertörl (3.421 m).

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Die Abstiegsroute am Inneren Mullwitzkees zwischen Rainertörl und Mullwitzaderl.

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Defreggerhaus (2.963 m) - die am höchsten gelegene Berghütte am Großvenediger.

Der weitere Abstieg vom Defreggerhaus zur wunderbar gelegenen Johannishütte (2.121 m) im Dorfertal verläuft über den gut markierten Hüttenweg. Nach Begehung der weiten Gletscherflächen nimmt man das Grün im Talboden besonders intensiv wahr und die landschaftliche Besonderheit der Hohen Tauern wird einem hier in schönster Weise bewusst.

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Abstieg vom Defreggerhaus zur Johannishütte.

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Naturschönheit pur und saftiges Grün im Dorfer Tal.

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Johannishütte (2.121 m).

Über die von uns gewählte Abstiegsroute ist der Großvenediger am schnellsten zu erreichen. Per Taxi von Hinterbichl zur Johannishütte und von dort weitere 850 Höhenmeter zum Defreggerhaus. Wahlweise kann so die Besteigung als Ein- oder Zweitagestour unternommen werden. Wir nächtigen auf der Johannishütte und wählen für den letzten Tag den Übergang über das Türmljoch (2.772 m) zur Essener-Rostocker Hütte (2.208 m).

Der namensgebende Gipfel am Joch, das Türml (2.844 m) ist über einen leichten Klettersteig (70 Hm, C) zu erreichen. Jenseitig des Jochs steigt man ab in den Stredacher Winkl, einen landschaftlich äußerst reizvollen Talboden oberhalb der Essener-Rostocker Hütte. Das Taxi für den Transfer zum Matreier Tauernhaus bestellt man am besten auf der Hütte, denn im Abstieg durch das Maurertal nach Ströden gibt es keinen Handyempfang.

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Beim Überqueren des Dorfer Bachs.

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Morgendlicher Aufstieg zum Türmljoch.

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Türml (2.844 m) und Türmljoch (2.772 m)

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Auf der Abstiegsroute im Stredacher Winkl - einem landschaftlich beeindruckendem Ort.

Kontakte und Wissenswertes:
Matreier Tauernhaus, Ausgangs- und Übernachtungspunkt
Gebührenpflichtiger Parkplatz am Matreier Tauernhaus, EUR 10 für 2-7 Tage
Taxidienst zum Venedigerhaus, EUR 5-7/Person, täglich ab 09.00 Uhr
Neue Prager Hütte, Reservierung online
Defreggerhaus
Johannishütte
Essener-Rostocker Hütte
Taxidienst für den Transport zur bzw. von der Johannishütte, EUR 11/Person, sowie für den Transfer zurück zum Matreier Tauernhaus, EUR 12/Person

Downloads:
GPS-Track (Garmin)
GPS-Track (Google Earth)
Hinweis: Track von der Neuen Prager Hütte zur Johannishütte (Tag 2).

Ausrüstungstipps:
SALOMON S-LAB X ALP CARBON 2 GTX, leichter und hochtourentauglicher Bergschuh mit sehr hohem Gehkomfort
BLUE ICE Choucas Harness, minimalistischer Gurt für Hochtouren und Skihochtouren
PETZL Laser Speed Light, hochwertige und besonders leichte Eisschraube
BLACK DIAMOND Vaporlock Magnetron Carabiner, kompakter Safe-Lock Karabiner
Für die Tour reicht ein leichtes Dyneema Seil oder ein Halbseil, es sind keine Felspassagen mit Seil zu bewältigen

Text: Matthias Knaus
Bilder: ZEIT FÜR DRAUSSEN