"Wie schwer ist eigentlich der Montblanc?" Diese Frage stellen sich wohl viele. Wir informieren in diesem Artikel über die Möglichkeiten einer Besteigung und stellen die Traverse von der Cosmique Hütte über Mont Blanc du Tacul und Mont Maudit näher vor.

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Impossant und stark vergletschert präsentiert sich der Montblanc von Nordosten. Die Aufnahme stammt vom Midi-Plan-Grat..

Welches ist die beste Route?

Es gibt zahlreiche Routen auf den Montblanc. Vorwiegend lang und schwierig sind die Anstiege von der italienischen Seite (Courmayeur). Wer die nötigen Fähigkeiten besitzt wird in einem Anstieg von dieser Seite pures Bergsteigen erleben, oft in Abgeschiedenheit. Als bekannteste Routen gelten der Anstieg über die Gonella Hütte, der Innominatagrat sowie der berühmte Peutereygrat. Wesentlich stärker frequentiert sind die Anstiege von der französischen Seite (Chamonix). Hier gibt es drei Hauptrouten - jene über die Goûter Hütte, die Traverse von der Cosmiques Hütte und die Route über die Grands Mulets Hütte. Letztere wird vorwiegend von SkitourengeherInnen gewählt und spielt im Sommer eine untergeordnete Rolle. Ein langer, jedoch besonders schöner Anstieg führt von Westen zum Gipfel: von der Durier Hütte überschreitet man die Aiguille de Bionnassay und gelangt so zum Gipfelgrat.

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Im Aufstieg über den Innominatagrat.

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Die Normalroute von der Goûter Hütte über den Bossesgrat.
 
Probleme bei der Hüttenreservierung und Steinschlaggefahr

Die im Sommer einfachste Route von der Goûter Hütte hat einen großen Nachteil - die Übernachtung, respektive die Möglichkeit der Reservierung. Selbst nach dem Neubau der Hütte ist diese völlig überlastet und man kommt nur schwierig dazu, die hochpreisige Übernachtung zu reservieren. Hat man genügend Kondition und spielt das Wetter mit, ist es besser von der tiefer gelegenen Tête Rousse Hütte aus zu starten (und zwar bei Tageslicht), auch wieder zu dieser zurückzukehren. Im Aufstieg zur Goûter Hütte quert man das berüchtigte Grand Couloir, eine steinschlaggefährdete Rinne. Hier ist einzeln queren mit Blick nach oben unabdingbar.
Zusammengefasst: technisch einfach, kürzester Anstieg ab Hütte, objektive Gefahr im Grad Couloir, hochmoderne aber hoffnungslos überfüllte Hütte mit durchschnittlicher Bewirtschaftung und hohem Nächtigungspreis - insgesamt also eher eine fragwürdige Route.
Refuge du Goûter (3.863 m)
Refuge de Tête Rousse (3.187 m)

Lang und spaltenreich

Der Anstieg über die Gonella Hütte ist lang. Es gilt 1.800 Höhenmeter, teilweise auf spaltenreichem Gletscher und im Steilgelände (bis 50°) zu bewältigen. Sind die Verhältnisse gut - informieren Sie sich gewissenhaft darüber - ist diese Route empfehlenswert und schön.
Zusammengefasst: langer Hüttenzustieg, italienisches Hüttenflair (herzhaft aber mit dürftiger Verpflegung), anspruchsvolle Gletschertour mit steilen Abschnitten, nur bei guten Verhältnissen empfehlenswert.
Rifugio Gonella (3.071 m)

Die Vorteile der Cosmiques Hütte

Neben dem bequemen Zustieg - man erreicht die Hütte von der Bergstation der Midi-Seilbahn in weniger als einer Stunde - punktet die Cosmiques Hütte vor allem durch Gastlichkeit und Lage. Von ihr aus sind zudem Ausweich- oder Akklimatisierungstouren möglich (Tour Ronde, Lachenal Traverse, Cosmiquesgrat, usw.). Der Aufstieg zum Montblanc ist etwas anspruchsvoller als von der Goûter Hütte, jedoch auch alpinistisch interessanter. Kriterien sind die Lawinengefahr (auch im Sommer) sowie die Stabilität der Séracs an Mont Blanc du Tacul und Mont Maudit. Bei Blankeis unangenehm ist die Querung vom Col du Mont Maudit zum Col de la Brenva. Am Col du Mont Maudit hängt meist ein Fixseil, das Auf- und Abstieg wesentlich erleichtert.
Zusammengefasst: bequemer Hüttenzustieg, zweitlängster Anstieg ab Hütte, objektive Gefahren durch Séracs und Lawinengefahr (nicht immer), im Vergleich bester Hüttenkomfort, erlebnisreich, mittlere Schwierigkeit.
Refuge des Cosmiques (3.613 m), +33 4 50 54 40 16

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Spur am Mont Blanc du Tacul. Von der Cosmiques Hütte aus kann man die Route in diesem Teil gut einsehen und beurteilen.

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Übliche Frühstückszeiten sind 01.00 Uhr und 03.00 Uhr. Man geht also einige Zeit im Dunkeln.

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Teilweise ist der Anstieg steil.

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Im Aufstieg zum Col du Mont Maudit. Hier ist nach Neuschneefällen die Lawinengefahr zu beachten - genauso wie am Mont Blanc du Tacul.

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Aufstieg zum Col du Mont Maudit. Im obersten Abschnitt des Hangs, über dem Bergschrund, ist oft ein Fixseil befestigt (ca. 70 Hm).

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Sonnenaufgang über den Walliser Alpen.

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Blick vom Col du Mont Maudit nach unten bzw. zurück zum Col Maudit. Die Spur rechts (im Schatten) wurde eindeutig zu hoch angelegt.

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Querung vom Col du Mont Maudit zum Col de la Brenva. Vorsicht bei Blankeis.

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Vom Col de la Brenva (4.303 m) sind es noch 500 Höhenmeter zum Gipfel. Dieser Teil des Anstiegs ist aufgrund der Höhe anstrengend und zieht sich.

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Faszinierender Blick zur Grandes Jorasses (4.208 m) und den dahinter liegenden Walliser Alpen.

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Knapp unterhalb des Gipfels. Blick zurück mit Aufstiegsroute im Bild.

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Angekommen.

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Abschnitt zwischen Col Maudit und Col de Mont Maudit. Besonders hier sind die Verhältnisse entscheidend. Beachten Sie die Séracs.

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Reserven sind unbedingt erforderlich - der Rückweg ist lang.

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Zurück auf der Cosmiques Hütte kann man den Sonnenuntergang im Westen bestaunen.

Allgemeines zur Besteigung und Führung:

BergführerInnen begleiten maximal zwei Personen. Sind die Verhältnisse auf der Route von der Cosmiques Hütte schwierig, empfiehlt sich ein Führer:Gast-Verhältnis von 1:1. Oft entstehen zusätzliche (und unnötige) Risiken durch falsche Seilbenützung und Sicherungstechniken. Gehen am "langen Seil" ist nur dort zu empfehlen, wo die Spaltensturzgefahr der Absturzgefahr überwiegt. Die Mindestdauer einer Besteigung beträgt inklusive An- und Rückreise drei Tage. Bei langfristiger Planung ist es empfehlenswert mit einer Zeitspanne von einer Woche zu kalkulieren. Damit ist man wettertechnisch flexibler und erhöht die Gipfelchancen.

Was die Anforderungen betrifft sollte man in der Lage sein, einen fünf- bis sechsstündigen Aufstieg mit Steigeisen zu bewältigen. Bei der vorgestellten Route befindet man sich lange oberhalb von 4.000 m, was eine gute Akklimatisation erfordert. Die steilste Passage (am Col de Mont Maudit) ist mit einem Fixseil gesichert, womit man die steilste Passage gesichert ist. In manchen Saisonen ist die Aufstiegsspur am Mont Blanc du Tacul steil angelegt. Gletscherspalten und Séracs erfordern dies. In kurzen Abschnitten muss Frontalzackentechnik angewendet werden - in Auf- und Abstieg. Auf der gesamten Route hat man keinen Felskontakt.

Die eingangs gestellte Frage kann somit folgendermaßen beantwortet werden: Gute Verhältnisse und Akklimatisation vorausgesetzt, ist für die Besteigung des Montblanc in erster Linie Kondition gefordert. Lassen Sie im Zweifelsfall Experten entscheiden, wann der Zeitpunkt günstig ist.

Organisation & Begleitung:
Wir organisieren die Besteigung des Montblanc auf Anfrage im Stil einer Privatführung. Dabei wird die Route in Abhängigkeit zu den Wünschen und Fähigkeiten des/der InteressentInnen gewählt. Ebenso sind die vorherrschenden Verhältnisse am Berg dafür sehr entscheidend. Vorbereitungstouren bzw. ein gezieltes Programm zur Akklimatisierung übernehmen wir gerne. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage.

Downloads:
GPS-Track (Garmin)
GPS-Track (Google Earth)
Hinweis: Route über die Cosmiques Hütte, Stand 8/2017

Ausrüstungstipps:
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PETZL Laser Speed Light, hochwertige und besonders leichte Eisschraube
BEAL Opera 8,5mm UNICORE, mit Golden Dry Imprägnierung, leichtes Einfachseil für sämtliche Manöver am Berg

Text: Matthias Knaus
Bilder: ZEIT FÜR DRAUSSEN