Der Südgrat der Vorderen Brandjochspitze gilt als absoluter Klassiker im Reigen der Karwendeltouren. Nicht nur die Route an sich begeistert, vor allem auch sind es die Ausblicke über die Stadt Innsbruck, auf die umliegenden Berge und ins Inntal. Unter dem Motto "Herbsttouren" kletterten wir die Route am 30.09.2018 - einem sonnigen Sonntag.

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Blick vom Ausgangspunkt auf der Seegrube zur Vorderen Brandjochspitze - der Südgrat fällt links ab.

Die Tour beginnt mit der Auffahrt zur Seegrube (1.906 m). Wahlweise fährt man dazu mit den Nordkettenbahnen ab Stadtmitte oder der Station Hungerburg. Nach Verlassen der Seilbahnstation erblickt man das Ziel und beginnt den Zustieg über einen bequemen Wanderweg. Am Steig quert man die Südhänge der Nordkette über der Höttinger Alm Richtung Westen. Unterhalb der Sattelspitzen wird das Gelände steiler und einige exponierte Stellen verlangen Trittsicherheit. Stets die Höhe haltend, in nur leichtem Auf und Ab, gelangt man zum Brandjochboden (1.966 m), einem Wegkreuzungspunkt oberhalb der Achselbodenhütte. Hierher gelangt man auch ohne Aufstiegshilfen vom Gramartboden über das Höttinger Bild. Vom Brandjochboden führt ein steiler Pfad hinauf zum Brandjochkreuz (2.268 m).

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Noch in Nähe der Seegrube, am aussichtsreichen Wanderweg..

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Faszinierend ist der Blick auf Innsbruck. Im Schein der Vormittagssonne leuchten die Grashänge der Nordkette.

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Je weiter der Zustieg Richtung Westen führt, desto steiler und exponierter gestaltet er sich.

Das Brandjochkreuz ist ein privilegierter Aussichtspunkt mit Blick auf Innsbruck und die umliegenden Siedlungsräume im Inntal. Vis-à-vis mündet das Wipptal in die Stadt, flankiert von den Tuxer Alpen im Osten und den Stubaier Alpen im Westen. Bei klarer Sicht reicht der Blick bis zur Langkofelgruppe in den Dolomiten, zum Wilden Kaiser und zum Großvenediger. Auch ohne die Absicht den Brandjoch Südgrat zu klettern lohnt es sich hierher aufzusteigen und das Panorama zu genießen. Wir wechseln die verschwitzten Shirts gegen trockene und bereiten uns auf den nun folgenden Grat vor. Trittsichere Bergsteiger begehen die Tour meist seilfrei. Ist man mit den ursprünglichen, steilen Wegen des Karwendel weniger vertraut oder fehlt einem die entsprechende Erfahrung, ist Seilsicherung empfehlenswert. Kleine, gelbe Markierungspunkte und einige Steinmännchen weisen den Weg, der ab und zu vom Grat abweicht und in die Flanken ausweicht. Die Kletterpassagen sind nicht sonderlich schwierig (max. UIAA III), jedoch originell und schön. Der Fels ist meist fest und in Summe bewältigt man rund 300 anregende Höhenmeter vom Brandjochkreuz bis zum Gipfel.

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Blick vom Brandjochkreuz zum Südgrat.

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Der Blick zurück lohnt sich - der Gipfel des Brandjochkreuz (2.268 m) über Innsbruck.

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Bereits nach wenigen Metern am Grat kommen auch die Hände zum Einsatz. Über kurze Steilstufen gelangt man höher.

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Nicht immer klettert man direkt am Grat. Ab und zu weicht man seitlich aus und umgeht so schwierige Passagen.

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Auch wenn der Fels meist fest ist - wir befinden uns im Karwendel. Entscheidende Griffe und Tritte sorgsam prüfen.

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Je höher man gelangt umso luftiger wird der Grat. Ein kurzer Abschnitt ist besonders exponiert und bietet beeindruckende Tiefblicke.

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Unmittelbar nach dem "Sprung" klettert man in festem, von Wasser geformtem Kalkfels. Oberhalb dieser Stelle enden die klettertechnischen Schwierigkeiten und Steigspuren führen zum Gipfelgrat.

Im letzten Teil des Anstiegs umgeht man einen Steilaufschwung westlich auf Steigspuren. Man gelangt zum Verbindungsgrat zwischen Vorderer und Hinterer Brandjochspitze und steigt in unschwierigem Gelände zum Gipfel (2.559 m) auf. Hier kann man Teile der gekletterten Strecke gut einsehen und das Panorama vom höchsten Punkt der Tour genießen. Der Abstieg über den Julius-Pock-Steig am NE-Rücken ist reine Formsache. Trotzdem sollte man das mit Stahlseilen versicherte Steilgelände nicht unterschätzen, besonders wenn schattseitig bereits Schnee liegt. Am Frau-Hitt-Sattel angelangt steigt man über den Schmidhuber-Steig weiter ab zur Seegrube. Eine Besteigung der sagenumwobenen Frau Hitt (2.270 m, UIAA II-III) ist über die speckige Westschulter möglich. Auch könnte man den Innsbrucker Klettersteig begehen, um so zur Seilbahn am Hafelekar zu gelangen.

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Blick vom Gipfel der Nordkette entlang nach Nordosten. Bis zum Horizont erstreckt sich das Karwendel - der größte unberührte Raum Österreichs.

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Abstieg über den Julius-Pock-Steig.

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Knapp oberhalb des Frau-Hitt-Sattels betritt man wieder die Bergwiesen der Nordkette.

ZEIT FÜR DRAUSSEN verwendet Ausrüstung von:

SALOMON

 

SUUNTO

 

Wir führen den Brandjoch Südgrat als Tagestour wie beschrieben. Individuelle Termine und Angebote auf Anfrage.

Weitere Führungen & Touren
Folgende ausgewählte Touren bieten wir an den kommenden Wochenenden im Herbst an:

Samstag/Sonntag, 06./07.10. - Hohe Tauern/Großglockner
Samstag, 13.10. - Langkofelgruppe/Langkofel
Sonntag, 14.10. - Sextener Dolomiten/Große Zinne
Sonntag, 21.10. - Wilder Kaiser/Kopftörlgrat
Freitag, 26.10. - Wetterstein/Schüsselkarspitze S-Wand
Sonntag, 28.10. - Rofan/Klettersteige über dem Achensee

Kosten: ab EUR 120/Person

Die Touren werden in Abstimmung zu den gegebenen Verhältnissen geplant und durchgeführt.
Kontakt und Anfragen hier.

 

Text und Bilder: Matthias Knaus