Wie jeden Herbst zieht es uns in die Dolomiten. Im September und Oktober begeht man dort Gipfel und Routen in Einsamkeit und Ruhe. Der Langkofel ist zweifelsohne ein besonderer Berg. Er ist vielen bekannt, doch die wenigsten kennen ihn näher. Sein höchster Punkt wird in Anbetracht seiner Dominanz nur wenig erreicht. Warum? Die Besteigung des Langkofels ist nicht ganz einfach. Der Gesamtanspruch der Normalroute ist hoch, was vor allem die vielen Passagen im schlecht sicherbaren II-er Gelände mit sich bringen. Im folgenden beschreiben wir die Tour und damit wollen wir Begeisterung entfachen, für einen wirklich außergewöhnlichen Berg und ein lohnendes Gipfelziel.

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Langkofel (links) und Schlern (unterhalb der Sonne) im herbstlichen Abendlicht.

Es ist Anfang Oktober und die Seilbahn hinauf zur Langkofelscharte hat ihren Betrieb bereits eingestellt. Vom Parkplatz an der Passstraße (2.180 m) zum Rifugio Toni Demetz (2.685 m) führt ein gut markierter Wanderweg, von welchem man ein schönes Panorama Richtung Südosten zum Sellastock und zur Marmolada hat. Angenehm wärmt die Morgensonne, das Verlangen kurzärmelig aufzusteigen bleibt aus. An der Langkofelscharte grüßt der Wirt der Toni-Demetz.Hütte und erklärt, dass er den Stützpunkt winterfest macht. Ihm gefällt der Gedanke, jetzt, im Herbst den Langkofel zu besteigen - einen Berg, der auch ihm viel bedeutet.

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Die riesige Ostwand des Langkofel.

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Die rechte der beiden Scharten ist die Langkofelscharte. Über sie führt der Zustieg.

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Blick zurück zum Sellajoch, zum gleichnamigen Massiv und zur Marmolada.

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Bis Ende September verkürzt die Auffahrt mit der originellen Gondelbahn zur Langkofelscharte den Zustieg.

Jenseits der Langkofelscharte steigt man ins Langkofelkar ab. Gerade soweit bis man rechtshaltend auf das sogenannte "Fassaner Band" gelangt. Eine erste kurze Kletterstelle stimmt auf das Folgende ein. Das Fassaner Band zieht unterhalb des Langkofelecks im Steilgelände Richtung Langkofelgletscher, einem rapide schmelzenden Eisfeld. Abwechselnd gehend und kletternd bewegt man sich fort, die schwersten Kletterstellen erreichen den Schwierigkeitsgrad UIAA III. Der markante, zweistufige Kamin mit Klemmblock oben kann links umgangen werden (Originalroute). Entscheidet man sich für den direkten Weg ist's etwas schwieriger, zudem ohne vorhandene Sicherungpunkte (ca. UIAA IV). Mit Hilfe eines Stahlseils bewältigt man einen exponierten Abschnitt problemlos. Anschließend im Auf und Ab querend (meist UIAA II) bis zum Kar des Langkofelgletschers.

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Weg Nr. 525 führt von der Langkofelscharte hinab ins Langkofelkar.

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Rechts zweigt das Fassaner Band ab, das sich stets ansteigend bis zum markanten Felsturm fortsetzt.

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Zu Beginn noch wenig schwierig, später mit Absätzen die Kletterei erfordern.

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Am Band, oberhalb des markanten Kamins.

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Um die erste graue Felskante herum erreicht man den Langkofelgletscher.

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Blick zur Seiser Alm mit Schlern.

Das Gelände oberhalb des Kars bleibt komplex. Man steigt links der ehemaligen Eisrinne in festem Fels auf (UIAA II bis III-), erreicht einige Trittbügel und kurz oberhalb den zweiten Stahlseilabschnitt. Über eine weitere Scharte (oberes Ende der Eisrinne) gelangt man ins "Amphietheater" (ca. 2.900 m), einen Abschnitt mit Geröll ohne nennenswerte Schwierigkeiten. Den Steigspuren folgend bis rechts das rampenartige Gelände der "Führerrinne" beginnt (Bodenmarkierung mit Steinen). Geradewegs nach oben bis zu einer Scharte am Grat, links eines markannten Felsturms ("Pyramidenturm"). Die Führerrinne ist leicht auszumachen - links wird sie von steilem, gelbem Fels begrenzt. In diesem Abschnitt unbedingt bis zum Grat aufsteigen und nicht nach links in die schottrige Verschneidung abdrängen lassen. Über den Grat erreicht man in leichtem Gelände die Biwakschachtel auf ca. 3.100 m Seehöhe. Unmittelbar hinter der Biwakschachtel geht's in festem, mit orange-rötlichen Flechten bewachsenem Fels aufwärts. Dieser Abschnitt mag etwas abschreckend erscheinen, dennoch ist es der leichteste Aufstieg zum Gipfelgrat. Keinenfalls sollte man das Band unterhalb der Steilstufe nach rechts queren (Verhauer). Nach Überwinden einer luftigen III-er Stelle steht man am Vorgipfel des Langkofels. An einem Holzkreuz vorbei, mehrere Graterhebungen westlich umgehend erreicht man kurz später den Hauptgipfel.

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Das Holzkreuz am Gipfelgrat.

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Langkofeleck, Col Rodella, Fünffingerspitzen sowie Grohmannspitze und Innerkoflerturm vom Gipfel aus gesehen.

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Zahnkofel und Plattkofel gegenüber. Durch die steile Nordostseite des Plattkofel führt der beliebte "Oskar-Schuster-Klettersteig".

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Kontrastreich hebt sich der steile Dolomitenfels vom sanften Gelände der Seiser Alm ab.

Im Abstieg folgt man derselben Route. An allen prägnanten Stellen sind Sicherungspunkte oder Standplätze eingerichtet. Die Verwendung eines 50m-Seils ermöglicht optimales Abseilen. Den großen Kamin im Fassaner Band kann man direkt abseilen.

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Die schwierigsten Stellen können problemlos abgeseilt werden.

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Typischer Sicherungspunkt entlang der Route. Es gibt auch gebohrte Standplätze.

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Köpflschlingen und Seilreste - schaut noch vertrauenswürdig aus (Stand 10/2018).

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Das letzte Mal Abseilen. Danach führt das Fassaner Band in leichteres und weniger steiles Gelände.

Hinweise zur Tour:
Öfter liest man in Beschreibungen von Orientierungsproblemen bzw. Bemerke zur schwierigen Routenfindung. Im wesentlichen ist die Route logisch und nützt die Schwachstellen des Geländes. Mit entsprechender Erfahrung ist es nicht schwierig der Route zu folgen. Es gilt jedoch aufmerksam zu sein. Steinmännchen, ein paar verblasste Markierungen und Sicherungspunkte weisen den richtigen Weg. Bei Nebel kann die Situation deutlich schwieriger sein. Das Mitführen von mobilen Sicherungsmitteln ist nicht unbedingt erforderlich. Der Sicherheit förderlich ist es, ein paar Seilschlingen oder Reepschnurmaterial sowie Schraubglieder ("Maillon Rapide" o.ä.) mitzunehmen. Im Fall können Standplätze damit nach Beurteilung verbessert werden.

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Langkofel (links) über dem Grödner Tal.

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Blick von der Großen Cirspitze zum Langkofel.

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"Arrivederci!".

Wir führen die Tour wie beschrieben im Führer-Gast-Verhältnis von 1:1. Alternative Routen bzw. die Kombination unterschiedlicher Routen in Auf- und Abstieg sind möglich. Privatführungen auf Anfrage.

 

ZEIT FÜR DRAUSSEN verwendet Ausrüstung von:

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Text und Bilder: Matthias Knaus